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Sommerhitze – Alpakamütze?

Seit langem schon habe ich einer der Erzieherinnen in der Kita der Kinder eine gestrickte Mütze versprochen. Man könnte sagen, diese Erzieherin ist die Kapitänin der Kitagruppe – stets liebevoll zu den Kindern, gegenüber den Eltern und Kollegen auch mal bestimmt, erfahren in Job und Leben. Eine Mütze für eine Kapitänin sollte es also sein: maritim, etwas burschikos, verlässlich und natürlich in den klassischen Farben der Seefahrt.

Auch wenn es noch Monate dauern wird, bis die ersten kühlen Tage nach warmen Kopfbedeckungen verlangen lassen, ist die Mütze nun fertig und soll auch bald verschenkt werden.

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Was tut also die Strickerin, wenn sie diese Mütze mitten im Hochsommer noch fotografieren möchte? Wenn die Temperaturen es eigentlich nicht zulassen, eine sehr warme Kopfbedeckung aus einer Alpaka-Wollmischung zu tragen? Nun, ich folgte einer kreativen Idee des Fotografens, stellte mich den verwunderten Blicken der Mitbadenden im Freibad und setzte bei knapp 30 Grad Nautilus auf.

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Nautilus wurde aus dem Garn Alpaca Heather DK von Artesano gestrickt. Halb Peruvian Highland Wolle und halb Alpaca ist das Garn weich und warm, außergewöhnlich wird es aber erst durch seine ausdrucksvollen Farbtöne. Kräftig und doch mit natürlichen Reflexen treffen die melierten Farben genau meinen Geschmack. Der tiefe Blauton heißt übrigens Abyss und weckt, wenn man sich das Plakat zu James Camerons Film The Abyss anschaut, nicht von ungefähr Assoziationen mit der Tiefsee.

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Mit kleinen technischen Tricks lassen sich Mützen mit Streifenmuster im Detail perfektionieren:

Der sehr elastische Maschenanschlag des tubular cast on ist insbesondere für Mützen wichtig, die mit einem umgeschlagenen Rand getragen werden. Die ersten beiden Reihen werden in Hin- und Rückreihe gestrickt. Erst dann wird zur Runde geschlossen, was dem gerippten Rand zusätzliche Dehnkraft gibt. Ein sehr gute Erläuterung dieser Technik wurde von Ysolda Teague bei youtube hochgeladen. Die Besonderheit, die beim 2 x 2 Rippenbündchen zu beachten ist, hat sie ab Minute 4:13 erklärt.

Gestreifte Mützen und andere Accessoires, die in der Runde gestrickt werden, zeigen am Übergang vom Ende der einen auf den Anfang der nächsten Runde eine kleine, aber doch auffällige Treppe – egal, ob die Streifen schmal oder breit sind. Viel schöner ist es jedoch, wenn die Streifen ohne Versatz gestrickt werden können. Eine überzeugende Technik für jogless stripes habe ich bei Beth Moriarty auf ihrer Webseite Purl Queen Patterns gefunden. Am Beginn der zweiten Runde eines farbigen Streifens wird der rechte Teil der ersten Masche in der ersten Runde, die also unter der ersten Masche der zweiten Runde liegt, mit auf die Arbeitsnadel gehoben und zusammen gestrickt. Das klingt kompliziert, ist aber mit etwas Übung keine große Hürde.

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Streifen ohne „Treppchen“ und Abnahmen ohne „Strahlen“

Bei vielen Mützen kann es sehr hübsch aussehen, wenn die Abnahmen am oberen Kopf betont werden und wie Strahlen im Zentrum der Mütze zusammen laufen. Bei dieser gestreiften Mütze finde ich jedoch, dass die Abnahmen eher fast unsichtbar bleiben sollten, da sonst zwei geometrische Linien optisch miteinander konkurrieren. So habe ich nicht einfach zwei Maschen rechts zusammengestrickt, sondern die Maschenzahl wie folgt verringert: 1. Masche wie zum rechts Stricken abheben, 2. Masche wie zum rechts Stricken abheben, linke Nadel von links in beide Maschen einstechen und durch die hinten liegenden Schlingen mit der rechten Nadel zusammenstricken – voilà, das sogenannte slip slip knit in englischsprachigen Anleitungen. Sehr schön hat das Alexa Ludemann von tin can knits erklärt.

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Aber assoziiere ich einfach noch ein bisschen mit der Tiefsee: Als junge Leserin war ich begeistert von den Abenteuern, die Jules Verne in seinen Romanen erzählte und in die ich mich viele versunkene Stunden lang vertiefte. Die Nautilus war Kapitän Nemos Zufluchtsort, Forschungsstation und Werkzeug seines Feldzuges gegen die Ungerechtigkeit der Welt. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war sie tatsächlich schon mit einem batteriebetriebenen Elektroantrieb ausgestattet! Die Weitsicht und die Visionen des M. Verne sind beeindruckend.

Kapitän Nemo nimmt den Höhenstand der Sonne auf, Illustration der Zeichner Alphonse de Neuville und Édouard Riou, Quelle: Wikipedia
Kapitän Nemo nimmt den Höhenstand der Sonne auf, Illustration der Zeichner Alphonse de Neuville und Édouard Riou, Quelle: Wikipedia

In der Realität ist der Nautilus jedoch ein bewundernswertes Meerestier, das zur Gattung mit dem entzückenden Namen Perlboote gehört.

Nautilus oder Perlboot
Nautilus im Aquarium des Zoo Berlin, Quelle: Wikimedia Commons

In seiner Perlmutt-Schale bewohnt der Nautilus eine Kammer, von der er in die nächstgrößere umzieht, wenn er gewachsen ist. Jede Kammer ist exakt um das 1,08fache größer als die vorherige. Die Schönheit, die aus dieser Gesetzmäßigkeit entsteht, ist kaum zu fassen.

Ein Perlboot im Längsschnitt. Quelle: Wikipedia und Wikimedia Commons, Foto von user Chris 73, frei nutzbar unter //commons.wikimedia.org/wiki/File:NautilusCutawayLogarithmicSpiral.jpg bei Beachtung der creative commons cc-by-sa 3.0 license.
Ein Perlboot im Längsschnitt. Quelle: Wikipedia und Wikimedia Commons, Foto von user Chris 73, frei nutzbar unter //commons.wikimedia.org/wiki/File:NautilusCutawayLogarithmicSpiral.jpg bei Beachtung der creative commons cc-by-sa 3.0 license.

Wer nun seinen Sommerurlaub noch vor sich hat, braucht sicherlich keine warme Mütze im Gepäck, sollte aber eventuell erwägen, den guten alten Jules Verne mitzunehmen. Schließlich trägt eine fesselnde Urlaubsliteratur zweifelsohne zur Entspannung bei. Und vielleicht ist ja auch eine Seereise geplant? Dann Schiff ahoi! Mit oder ohne Nautilus…

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