Schottisches Hochland und kornische Zinnminen

Der kommende Freitag ist ein außergewöhnlicher und spannender Tag für all jene, die britische Wolle lieben. Die in Schottland beheimatete Designerin Kate Davies, die ja bereits seit Wochen über ihre Arbeit an ihrem ersten eigenen Garn Buachaille berichtet hat, wird ihren Seven Skeins Club öffnen. Ab dem 18. September können die Mitgliedschaften für diesen Club in Kates Shop erworben werden, für den sie ein sehr verlockendes Paket aus Garn und abgestimmten Designs geschnürt hat.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

Selbstverständlich hat die fleißige Bloggerin Kate die Herstellung ihres Garns ausführlich dokumentiert. Vom Reinigen und Kämmen der rohen Wolle bis zum Färben des gesponnenen Garns lässt Kate uns teilhaben an einem detailreichen Prozess. Die genaue Zusammensetzung des Garns, also die Schafrassen, von denen die Wollen stammen, verrät sie uns allerdings nicht. Zweifelsohne sind aber alle „Zutaten“ für ihr Garn schottischen und artenspezifischen Ursprungs.

Kates Liebe zu Schottland und ihr hoher und leidenschaftlicher Anspruch an das Garn, das ihre Heimat widerspiegeln soll, wird für mich ganz besonders in jenem Beitrag deutlich, in dem Kate erklärt, welche Inspirationen ihr beim Finden der perfekten sieben Farbtöne geholfen haben. Highland Coo, Islay, Yaffle, Squall und Between Weathers heißen die gefärbten Garne, die naturbelassenen Töne heißen Haar und Ptarmigan. Jede Farbe verweist auf ein typisches Detail der schottischen Natur:

So hat das schottische Hochland-Rind, dem dort vielerorts zu begegnen ist, ein langes Fell in dieser herrlichen herbstlichen Farbe – Highland Coo.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

An sonnigen Tagen leuchtet das Meer an den Stränden der Insel Islay, der Königin der Hebriden, in einem tiefen Türkis – Islay.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

In den schottischen Wälder ist er oft zu hören, seltener zu sehen – der Grünspecht. Sein Gefieder beeindruckt mit einem satten Grün und zarten gelben Reflexen – Yaffle.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

Das schottische Wetter bleibt nie lange so, wie es gerade ist. Ein aufleuchtender blauer Himmel zwischen zwei Wetterfronten ist oft mehrmals täglich zu beobachten und viele Schotten fühlen sich dadurch ermahnt, diese Zeit bestmöglich zu nutzen – Between weathers.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

Ich bin voller Vorfreude auf das schottische Buachaille und auf Kates Designs, die sie exklusiv dafür entworfen hat.

Aber auch aus dem Süden Englands wird es am kommenden Freitag spannendes Neues geben.

Seit bereits zehn Jahren sammelt Blacker Yarns aus Cornwall Erfahrungen bei der Produktion von für die Region typischen Garnen. Das Unternehmen feiert sein Jubiläum als Hersteller von artenspezifischen britischen Wollgarnen und bringt aus diesem Anlass sein Geburtstagsgarn Cornish Tin ab dem 18. September in den Verkauf.

Dieses limitierte Garn ist eine sorgfältig ausgewählte Mischung aus den Wollen von zehn kleinen lokalen Produzenten: Alpaka, Gotland, Jacob, Shetland, Black Welsh Mountain, Mohair und English Merino. Die unterschiedlichen Eigenschaften der spezifischen Fasern ergänzen sich zu einem Garn, das um seinen geschmeidigen, leicht schimmernden Kern eine wolliges Volumen hat und durch den Mohairanteil einen dezenten „Heiligenschein“ zeigt. Cornish Tin ist ein Garn, das Wärme und gleichzeitig Leichtigkeit verspricht.

Die natürliche Farbe dieser Wollmischung ist ein kräftiges Grau und erinnert, wie der Name des Garns vermuten lässt, tatsächlich an unpoliertes Zinn. Ähnlich wie Kate Davies hat sich auch Sue Blacker mit ihren Mitarbeitern inspirieren lassen von ihrer direkten Umgebung im südwestlichen England. Seit der Antike war Cornwall für seine Zinnminen bekannt. Im 19. Jahrhundert deckte der Abbau in Cornwall etwa die Hälfte des Weltbedarfs an Zinn. Die Umwelt litt zunehmend an der Verschmutzung, u. a. durch das in den Minen ebenfalls freigelegte Arsen. 1998 wurde die letzte kornische Mine geschlossen. Mit den Namen ehemaliger Minen, die den vier kräftigen Farben von Cornish Tin gegeben wurden, erinnert Blacker Yarns an die industrielle Geschichte, die den Südwesten Englands geprägt hat: Pengenna, Botallack, Dolcoath und Wheal Rose.

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Glücklicher Weise hat mich die herzliche Sonja von Blacker Yarns dazu eingeladen, mir ein eigenes Bild von Cornish Tin zu machen. Vor einigen Tagen erreichte mich ein Päckchen aus England mit je einem Strang 4-ply in Levant Grey und Pengenna Green.

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Mich interessiert vor allem, wie gut sich das Garn für das Stricken mit mehreren Farben eignet. Als rein britisches Wollgarn enttäuscht Cornish Tin natürlich nicht, wenn es wie hier im klassischen Argyle-Muster verstrickt wird. Der voluminös gesponnene Faden sorgt für einen hervorragenden Halt der Maschen und somit für ein ebenes Muster.mp-ct-benedict1

Der Faden kann auf der Rückseite problemlos über 5 bis 6 Maschen geführt werden, ohne dass ein zusätzliches Überschlagen des Arbeitsfadens nötig ist. Und obwohl das Strickstück im Muster durch die zwei Fäden etwas dicker wird, ist es äußerst leicht und luftig.mp-ct-benedict3

Ich habe das Muster in der Runde gestrickt, um linke Maschenreihen zu vermeiden und ein gleichmäßiges Maschenbild zu erreichen. Diese Methode erfordert natürlich im letzten Schritt, dass die Runde wieder geöffnet wird, also die vorher eingearbeiteten Maschen für den steek wieder aufgeschnitten werden.

Ich gebe zu, vor meinem ersten Schnitt war ich auch skeptisch und nervös, ob denn das liebevoll gestrickte Stück nicht unwiderruflich ruiniert würde. Mittlerweile bin ich aber ein ein großer Fan dieser alten Stricktradition und das steek cutting macht mir keine Sorgen.

Die für mich beste Methode des steek cutting, bei dem die zu schneidenden Maschen vorab durch eine gehäkelte Verstärkung gesichert werden, habe ich in einem Tutorial von Kate Davies gelernt.

Hier sind die Maschen, bevor sie im nächsten Schritt aufgeschnitten werden, mit festen Häkelmaschen in einem Kontrastgarn gesichert.mp-ct-benedict4

Zwischen den gehäkelten Maschen zeigen sich klar die Querbalken der steeks. So ist sichergestellt, dass man nicht versehentlich in die benachbarte Masche schneidet.mp-ct-benedict6a

Und los geht’s…mp-ct-benedict9a

Das Gestrickte öffnet sich mit einem sauberen Rand.mp-ct-benedict8a

Der Kontrastfaden lässt sich dann einfach lösen und die aufgeschnittenen Maschen bleiben an ihrem Platz. Später werden links neben der grünen Linie die Maschen für das Knopfband oder ein Bündchen aufgenommen und die aufgeschnittene Seite des Strickstücks legt sich dann sauber nach innen.mp-ct-benedict13a

Und ja, meine Probe hat tatsächlich einen kleinen „Heiligenschein“!mp-ct-benedict17

Ein erstes bezauberndes Projekt aus diesem Garn ist bereits bei ravelry und auf der Webseite von Blacker Yarns zu finden: die von Sonja Bargielowska entworfenen Azurite Mittens. Sind sie nicht einfach wunderschön?

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Quelle: www.blackeryarns.co.uk

Die Idee, die Wollen von zehn kleinen lokalen Produzenten zu Cornish Tin zu vereinen und es als limitiertes Garn anzubieten – es wird wirklich nur einmal hergestellt – finde ich wunderbar. Ich gratuliere allen Mitarbeitern von Blacker Yarns herzlich zu ihrem ersten großen Jubiläum!

Ein Gedanke zu „Schottisches Hochland und kornische Zinnminen“

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