Mit Kokkeluri ins 2016

In Bezug auf warme Winterhandschuhe kann man mich ruhig altmodisch nennen, denn ich liebe Schneeflocken. Kate Davies hat für ihren Seven Skeins Club bezaubernde Fäustlinge namens Kokkeluri entworfen. Die Handschuhe sind natürlich aus ihrem herrlichen Garn Buachaille gestrickt und erreichen durch eine relativ kleinen Nadelstärke eine wohlig wärmende Dichte. Diese Handwärmer wollte ich auch!

Das Motiv der Margerite (ox-eye daisy), die sowohl in Schottland als auch in Deutschland verbreitet ist, ersetzte ich auf den Handrücken dann aber doch lieber mit Schneeflocken und Tannen.

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Und so genieße ich am heutigen – nun doch auch in Berlin winterlich kühlen – Silvestertag meine warmen Fäustlinge und ein Glas zur Begrüßung des neuen 2016. Möge es uns allen Frieden bringen und unsere Kraft mehren, denen zu helfen, die unseren Beistand dringend brauchen.

Longwool für den Herbst

Spaziergänge in der Herbstsonne sind für mich etwas ganz Besonderes. Vielleicht deshalb, weil die Pracht der Natur in diesen Tagen so unmittelbar vergänglich ist. Die Fülle der vorangegangenen Wochen verfällt geradezu während man geht. Die Blätter segeln zu Boden und filtern dabei das weiche Licht zwischen ihren zarten Rippen in den kräftigsten Farben. Der Himmel erscheint klarer und höher als zuvor.

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Diese Spaziergänge machen Lust auf mehr. Es ist leicht zu laufen über den mit Laub gepolsterten Weg, der Körper genießt die Bewegung in angenehmer Temperatur und jeden Atemzug gekühlter Luft. Aber die abendliche Dunkelheit kommt nun schon früh, und bereits morgen kann es regnen oder das letzte Blatt vom Baum durch den nächtlichen Wind gepflückt sein.

Schon im heißen Sommer hat sich ein Teil von mir sehr auf diese Zeit gefreut, ließ mich zu den Stricknadeln greifen und das herrliche Tuch Gold Rush Shawl von Amy Christoffers stricken.

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Und so bin ich sehr glücklich, mit diesem Tuch auf die herbstliche Kühle gut vorbereitet zu sein. Leider ist das von mir verwendete Garn Pure Black Leicester Longwool DK von Blacker Yarns zur Zeit nicht erhältlich, was ich sehr bedaure.

Die mittlerweile von der Organisation Livestock Conservancy als kritisch selten (critical rare) eingestufte Rasse Leicester Longwool geht zurück auf den sehr einflussreichen Agronomen Robert Bakewell, der im 18. Jahrhundert die gezielte Züchtung bei Nutztieren bekannt machte. Vornehmlich Schafe mit langem und glänzendem Vlies wurden von Bakewell systematisch gezüchtet, so dass sich dabei die Rassen Lincoln und Leicester neu heraus formten.

Das Garn von Blacker Yarns ist wollig, obwohl es worsted – also gekämmt – gesponnen wurde. Trotzdem zeigt es einen außergewöhnlich seidigen Glanz, was der überdurchschnittlichen Länge des Vlieses zu verdanken ist. Nach dem Spannen öffnet sich erwartungsgemäß das Muster aus Maschen und Umschlägen vorbildlich, dennoch halten die Fasern auch über die offenen Bereiche Kontakt und spenden so viel Wärme.

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Es bleibt, den Tag, das Wetter, die gelungene Arbeit der Hände zu genießen…

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Fröhlichen Herbst!

Schottisches Hochland und kornische Zinnminen

Der kommende Freitag ist ein außergewöhnlicher und spannender Tag für all jene, die britische Wolle lieben. Die in Schottland beheimatete Designerin Kate Davies, die ja bereits seit Wochen über ihre Arbeit an ihrem ersten eigenen Garn Buachaille berichtet hat, wird ihren Seven Skeins Club öffnen. Ab dem 18. September können die Mitgliedschaften für diesen Club in Kates Shop erworben werden, für den sie ein sehr verlockendes Paket aus Garn und abgestimmten Designs geschnürt hat.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

Selbstverständlich hat die fleißige Bloggerin Kate die Herstellung ihres Garns ausführlich dokumentiert. Vom Reinigen und Kämmen der rohen Wolle bis zum Färben des gesponnenen Garns lässt Kate uns teilhaben an einem detailreichen Prozess. Die genaue Zusammensetzung des Garns, also die Schafrassen, von denen die Wollen stammen, verrät sie uns allerdings nicht. Zweifelsohne sind aber alle „Zutaten“ für ihr Garn schottischen und artenspezifischen Ursprungs.

Kates Liebe zu Schottland und ihr hoher und leidenschaftlicher Anspruch an das Garn, das ihre Heimat widerspiegeln soll, wird für mich ganz besonders in jenem Beitrag deutlich, in dem Kate erklärt, welche Inspirationen ihr beim Finden der perfekten sieben Farbtöne geholfen haben. Highland Coo, Islay, Yaffle, Squall und Between Weathers heißen die gefärbten Garne, die naturbelassenen Töne heißen Haar und Ptarmigan. Jede Farbe verweist auf ein typisches Detail der schottischen Natur:

So hat das schottische Hochland-Rind, dem dort vielerorts zu begegnen ist, ein langes Fell in dieser herrlichen herbstlichen Farbe – Highland Coo.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

An sonnigen Tagen leuchtet das Meer an den Stränden der Insel Islay, der Königin der Hebriden, in einem tiefen Türkis – Islay.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

In den schottischen Wälder ist er oft zu hören, seltener zu sehen – der Grünspecht. Sein Gefieder beeindruckt mit einem satten Grün und zarten gelben Reflexen – Yaffle.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

Das schottische Wetter bleibt nie lange so, wie es gerade ist. Ein aufleuchtender blauer Himmel zwischen zwei Wetterfronten ist oft mehrmals täglich zu beobachten und viele Schotten fühlen sich dadurch ermahnt, diese Zeit bestmöglich zu nutzen – Between weathers.

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Quelle: www.katedaviesdesigns.com

Ich bin voller Vorfreude auf das schottische Buachaille und auf Kates Designs, die sie exklusiv dafür entworfen hat.

Aber auch aus dem Süden Englands wird es am kommenden Freitag spannendes Neues geben.

Seit bereits zehn Jahren sammelt Blacker Yarns aus Cornwall Erfahrungen bei der Produktion von für die Region typischen Garnen. Das Unternehmen feiert sein Jubiläum als Hersteller von artenspezifischen britischen Wollgarnen und bringt aus diesem Anlass sein Geburtstagsgarn Cornish Tin ab dem 18. September in den Verkauf.

Dieses limitierte Garn ist eine sorgfältig ausgewählte Mischung aus den Wollen von zehn kleinen lokalen Produzenten: Alpaka, Gotland, Jacob, Shetland, Black Welsh Mountain, Mohair und English Merino. Die unterschiedlichen Eigenschaften der spezifischen Fasern ergänzen sich zu einem Garn, das um seinen geschmeidigen, leicht schimmernden Kern eine wolliges Volumen hat und durch den Mohairanteil einen dezenten „Heiligenschein“ zeigt. Cornish Tin ist ein Garn, das Wärme und gleichzeitig Leichtigkeit verspricht.

Die natürliche Farbe dieser Wollmischung ist ein kräftiges Grau und erinnert, wie der Name des Garns vermuten lässt, tatsächlich an unpoliertes Zinn. Ähnlich wie Kate Davies hat sich auch Sue Blacker mit ihren Mitarbeitern inspirieren lassen von ihrer direkten Umgebung im südwestlichen England. Seit der Antike war Cornwall für seine Zinnminen bekannt. Im 19. Jahrhundert deckte der Abbau in Cornwall etwa die Hälfte des Weltbedarfs an Zinn. Die Umwelt litt zunehmend an der Verschmutzung, u. a. durch das in den Minen ebenfalls freigelegte Arsen. 1998 wurde die letzte kornische Mine geschlossen. Mit den Namen ehemaliger Minen, die den vier kräftigen Farben von Cornish Tin gegeben wurden, erinnert Blacker Yarns an die industrielle Geschichte, die den Südwesten Englands geprägt hat: Pengenna, Botallack, Dolcoath und Wheal Rose.

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Glücklicher Weise hat mich die herzliche Sonja von Blacker Yarns dazu eingeladen, mir ein eigenes Bild von Cornish Tin zu machen. Vor einigen Tagen erreichte mich ein Päckchen aus England mit je einem Strang 4-ply in Levant Grey und Pengenna Green.

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Mich interessiert vor allem, wie gut sich das Garn für das Stricken mit mehreren Farben eignet. Als rein britisches Wollgarn enttäuscht Cornish Tin natürlich nicht, wenn es wie hier im klassischen Argyle-Muster verstrickt wird. Der voluminös gesponnene Faden sorgt für einen hervorragenden Halt der Maschen und somit für ein ebenes Muster.mp-ct-benedict1

Der Faden kann auf der Rückseite problemlos über 5 bis 6 Maschen geführt werden, ohne dass ein zusätzliches Überschlagen des Arbeitsfadens nötig ist. Und obwohl das Strickstück im Muster durch die zwei Fäden etwas dicker wird, ist es äußerst leicht und luftig.mp-ct-benedict3

Ich habe das Muster in der Runde gestrickt, um linke Maschenreihen zu vermeiden und ein gleichmäßiges Maschenbild zu erreichen. Diese Methode erfordert natürlich im letzten Schritt, dass die Runde wieder geöffnet wird, also die vorher eingearbeiteten Maschen für den steek wieder aufgeschnitten werden.

Ich gebe zu, vor meinem ersten Schnitt war ich auch skeptisch und nervös, ob denn das liebevoll gestrickte Stück nicht unwiderruflich ruiniert würde. Mittlerweile bin ich aber ein ein großer Fan dieser alten Stricktradition und das steek cutting macht mir keine Sorgen.

Die für mich beste Methode des steek cutting, bei dem die zu schneidenden Maschen vorab durch eine gehäkelte Verstärkung gesichert werden, habe ich in einem Tutorial von Kate Davies gelernt.

Hier sind die Maschen, bevor sie im nächsten Schritt aufgeschnitten werden, mit festen Häkelmaschen in einem Kontrastgarn gesichert.mp-ct-benedict4

Zwischen den gehäkelten Maschen zeigen sich klar die Querbalken der steeks. So ist sichergestellt, dass man nicht versehentlich in die benachbarte Masche schneidet.mp-ct-benedict6a

Und los geht’s…mp-ct-benedict9a

Das Gestrickte öffnet sich mit einem sauberen Rand.mp-ct-benedict8a

Der Kontrastfaden lässt sich dann einfach lösen und die aufgeschnittenen Maschen bleiben an ihrem Platz. Später werden links neben der grünen Linie die Maschen für das Knopfband oder ein Bündchen aufgenommen und die aufgeschnittene Seite des Strickstücks legt sich dann sauber nach innen.mp-ct-benedict13a

Und ja, meine Probe hat tatsächlich einen kleinen „Heiligenschein“!mp-ct-benedict17

Ein erstes bezauberndes Projekt aus diesem Garn ist bereits bei ravelry und auf der Webseite von Blacker Yarns zu finden: die von Sonja Bargielowska entworfenen Azurite Mittens. Sind sie nicht einfach wunderschön?

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Quelle: www.blackeryarns.co.uk

Die Idee, die Wollen von zehn kleinen lokalen Produzenten zu Cornish Tin zu vereinen und es als limitiertes Garn anzubieten – es wird wirklich nur einmal hergestellt – finde ich wunderbar. Ich gratuliere allen Mitarbeitern von Blacker Yarns herzlich zu ihrem ersten großen Jubiläum!

Sommerhitze – Alpakamütze?

Seit langem schon habe ich einer der Erzieherinnen in der Kita der Kinder eine gestrickte Mütze versprochen. Man könnte sagen, diese Erzieherin ist die Kapitänin der Kitagruppe – stets liebevoll zu den Kindern, gegenüber den Eltern und Kollegen auch mal bestimmt, erfahren in Job und Leben. Eine Mütze für eine Kapitänin sollte es also sein: maritim, etwas burschikos, verlässlich und natürlich in den klassischen Farben der Seefahrt.

Auch wenn es noch Monate dauern wird, bis die ersten kühlen Tage nach warmen Kopfbedeckungen verlangen lassen, ist die Mütze nun fertig und soll auch bald verschenkt werden.

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Was tut also die Strickerin, wenn sie diese Mütze mitten im Hochsommer noch fotografieren möchte? Wenn die Temperaturen es eigentlich nicht zulassen, eine sehr warme Kopfbedeckung aus einer Alpaka-Wollmischung zu tragen? Nun, ich folgte einer kreativen Idee des Fotografens, stellte mich den verwunderten Blicken der Mitbadenden im Freibad und setzte bei knapp 30 Grad Nautilus auf.

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Nautilus wurde aus dem Garn Alpaca Heather DK von Artesano gestrickt. Halb Peruvian Highland Wolle und halb Alpaca ist das Garn weich und warm, außergewöhnlich wird es aber erst durch seine ausdrucksvollen Farbtöne. Kräftig und doch mit natürlichen Reflexen treffen die melierten Farben genau meinen Geschmack. Der tiefe Blauton heißt übrigens Abyss und weckt, wenn man sich das Plakat zu James Camerons Film The Abyss anschaut, nicht von ungefähr Assoziationen mit der Tiefsee.

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Mit kleinen technischen Tricks lassen sich Mützen mit Streifenmuster im Detail perfektionieren:

Der sehr elastische Maschenanschlag des tubular cast on ist insbesondere für Mützen wichtig, die mit einem umgeschlagenen Rand getragen werden. Die ersten beiden Reihen werden in Hin- und Rückreihe gestrickt. Erst dann wird zur Runde geschlossen, was dem gerippten Rand zusätzliche Dehnkraft gibt. Ein sehr gute Erläuterung dieser Technik wurde von Ysolda Teague bei youtube hochgeladen. Die Besonderheit, die beim 2 x 2 Rippenbündchen zu beachten ist, hat sie ab Minute 4:13 erklärt.

Gestreifte Mützen und andere Accessoires, die in der Runde gestrickt werden, zeigen am Übergang vom Ende der einen auf den Anfang der nächsten Runde eine kleine, aber doch auffällige Treppe – egal, ob die Streifen schmal oder breit sind. Viel schöner ist es jedoch, wenn die Streifen ohne Versatz gestrickt werden können. Eine überzeugende Technik für jogless stripes habe ich bei Beth Moriarty auf ihrer Webseite Purl Queen Patterns gefunden. Am Beginn der zweiten Runde eines farbigen Streifens wird der rechte Teil der ersten Masche in der ersten Runde, die also unter der ersten Masche der zweiten Runde liegt, mit auf die Arbeitsnadel gehoben und zusammen gestrickt. Das klingt kompliziert, ist aber mit etwas Übung keine große Hürde.

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Streifen ohne „Treppchen“ und Abnahmen ohne „Strahlen“

Bei vielen Mützen kann es sehr hübsch aussehen, wenn die Abnahmen am oberen Kopf betont werden und wie Strahlen im Zentrum der Mütze zusammen laufen. Bei dieser gestreiften Mütze finde ich jedoch, dass die Abnahmen eher fast unsichtbar bleiben sollten, da sonst zwei geometrische Linien optisch miteinander konkurrieren. So habe ich nicht einfach zwei Maschen rechts zusammengestrickt, sondern die Maschenzahl wie folgt verringert: 1. Masche wie zum rechts Stricken abheben, 2. Masche wie zum rechts Stricken abheben, linke Nadel von links in beide Maschen einstechen und durch die hinten liegenden Schlingen mit der rechten Nadel zusammenstricken – voilà, das sogenannte slip slip knit in englischsprachigen Anleitungen. Sehr schön hat das Alexa Ludemann von tin can knits erklärt.

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Aber assoziiere ich einfach noch ein bisschen mit der Tiefsee: Als junge Leserin war ich begeistert von den Abenteuern, die Jules Verne in seinen Romanen erzählte und in die ich mich viele versunkene Stunden lang vertiefte. Die Nautilus war Kapitän Nemos Zufluchtsort, Forschungsstation und Werkzeug seines Feldzuges gegen die Ungerechtigkeit der Welt. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war sie tatsächlich schon mit einem batteriebetriebenen Elektroantrieb ausgestattet! Die Weitsicht und die Visionen des M. Verne sind beeindruckend.

Kapitän Nemo nimmt den Höhenstand der Sonne auf, Illustration der Zeichner Alphonse de Neuville und Édouard Riou, Quelle: Wikipedia
Kapitän Nemo nimmt den Höhenstand der Sonne auf, Illustration der Zeichner Alphonse de Neuville und Édouard Riou, Quelle: Wikipedia

In der Realität ist der Nautilus jedoch ein bewundernswertes Meerestier, das zur Gattung mit dem entzückenden Namen Perlboote gehört.

Nautilus oder Perlboot
Nautilus im Aquarium des Zoo Berlin, Quelle: Wikimedia Commons

In seiner Perlmutt-Schale bewohnt der Nautilus eine Kammer, von der er in die nächstgrößere umzieht, wenn er gewachsen ist. Jede Kammer ist exakt um das 1,08fache größer als die vorherige. Die Schönheit, die aus dieser Gesetzmäßigkeit entsteht, ist kaum zu fassen.

Ein Perlboot im Längsschnitt. Quelle: Wikipedia und Wikimedia Commons, Foto von user Chris 73, frei nutzbar unter //commons.wikimedia.org/wiki/File:NautilusCutawayLogarithmicSpiral.jpg bei Beachtung der creative commons cc-by-sa 3.0 license.
Ein Perlboot im Längsschnitt. Quelle: Wikipedia und Wikimedia Commons, Foto von user Chris 73, frei nutzbar unter //commons.wikimedia.org/wiki/File:NautilusCutawayLogarithmicSpiral.jpg bei Beachtung der creative commons cc-by-sa 3.0 license.

Wer nun seinen Sommerurlaub noch vor sich hat, braucht sicherlich keine warme Mütze im Gepäck, sollte aber eventuell erwägen, den guten alten Jules Verne mitzunehmen. Schließlich trägt eine fesselnde Urlaubsliteratur zweifelsohne zur Entspannung bei. Und vielleicht ist ja auch eine Seereise geplant? Dann Schiff ahoi! Mit oder ohne Nautilus…

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Frühling, Sonne, Lyonesse

Menschen, die nicht stricken, unterliegen oft dem Glauben, dass der Frühling und der Sommer eher die Saure-Gurken-Zeit für das Stricken sind. Dabei kommt es doch einfach nur darauf an, welches Material verwendet wird.

Baumwollgarne sind ein Klassiker für sommerliche Pullis und Accessoires. Edler wird das Gestrickte mit Seidengarnen, rustikaler dagegen mit Hanf- oder Flachsfasern. Allen ist gemein, dass sie natürlich atmungsaktiv sind. Aufgrund der Glätte der Fasern wird kaum Luft eingeschlossen, aufgenommene Luftfeuchtigkeit wird rasch wieder abgegeben und die Haut wird getrocknet und gekühlt.

In meinem Kleiderschrank finden sich zum Beispiel Katy aus Rowan’s Baumwollgarn Denim …

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… und Buckland aus dem Seiden-Baumwoll-Mischgarn Purelife Revive, ebenfalls von Rowan.

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Aber all diese kühlenden Fasern haben eine wichtige Eigenschaft, die mich stets mit Wehmut an Wolle denken lässt: Sie sind nicht elastisch und können die Form nicht lange halten, in die sie gebracht werden. Ein geripptes Bündchen zieht sich schon nach kurzem Tragen nicht mehr zusammen. Darüber hinaus werden meine Fingerspitzen von der trockenen und oft auch etwas rauen Oberfläche der Garne beim Stricken so beansprucht, dass ich ihnen viel öfter eine Pause gönnen muss, als mir manchmal lieb ist.

Nun lässt sich ja vor allem hochwertige, unbehandelte Wolle gern mit weiteren Zutaten verspinnen. Mit einem Kern aus robusten Pflanzenfasern wird die Wolle gestärkt oder mit Seide reizvoll glänzend. Mit Knowhow und Blick für Qualität können Hersteller Garne entwickeln, die vor allem die positiven Eigenschaften der verschiedenen Ausgangsfasern zeigen und miteinander ergänzen.

In meinem letzten Beitrag hatte ich bereits erwähnt, dass mir auf der h+h in Köln das neue Garn Lyonesse von Blacker Yarns besonders aufgefallen ist. Schon auf den ersten Blick ist es ein verlockendes Beispiel für ein Sommergarn, für das Pflanzenfasern und Wolle kombiniert wurden. Die Qualität ließ mich neugierig werden auf eine erste Maschenprobe.

Wie groß war also meine Freude, als mir Blacker Yarns ein Paket des Garns anbot und mir in meinem Lieblingsfarbton Jade umgehend zuschickte. Die Bitte, nach Möglichkeit eine Besprechung des Garn zu verfassen, erfülle ich hier sehr gern.

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Allgemeine Angaben

Sorgsam verpackt (sogar die Schnur wird in der Spinnerei von Sue Blacker hergestellt) und – ganz wichtig – mit einer Farbkarte ergänzt, erreichte mich das Paket aus UK. Enthalten ist also Lyonesse in der Stärke Double Knitting (DK), worsted spun (also zu einem eher glatten Faden versponnen). Das Knäuel hat 110 Meter Lauflänge je 50 Gramm. Das Garn besteht aus 50% Falkland Wolle (Corriedale und Merino) und 50% Leinen. Die empfohlene Nadelstärke ist 4 mm.

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Erster Eindruck

Im Knäuel präsentiert sich das Garn luftig und weich. Auf der Haut fühlt es sich sehr angenehm an, mit einer gewissen Trockenheit im Griff, die mir sagt, dass es sich hier nicht um ein reines Wollgarn handeln kann. Die Pastellfarbe durchdringt nicht den ganzen Garnfaden, sondern gewinnt eine zusätzliche Leichtigkeit durch das Changieren von gefärbten und ungefärbten Fasern. Darüber hinaus zeigt sich ein dezenter seidiger Glanz, der den glatten Flachsfasern zu verdanken ist.

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Ich denke, ich habe bereits in einem der voran gegangenen Beiträge darauf hingewiesen, wiederhole mich hier aber gern: Blacker Yarns färbt seine Garne selbst, und zwar in UK. Doch die gehobenen Standards der EU bezüglich Umweltschutz und Nachhaltigkeit werden von Blacker Yarns freiwillig übertroffen, denn alle verwendeten Farben sind GOTS-zertifiziert und basieren allein auf Säurereaktion. Es kommen keine Schwermetalle zum Einsatz. An der Lebendigkeit und Natürlichkeit der Farben kann ich mich kaum satt sehen.

Maschenprobe stricken

Für die erste Maschenprobe entscheide ich mich für die Nadelstärke 4.5 mm, also eine Nummer größer als die empfohlene Nadel, denn ich möchte die Maschen eher offen und das Strickstück locker fallend haben. Nach dem Waschen dieser ersten Probe bin ich jedoch nicht ganz überzeugt vom Maschenbild und schlage umgehend eine zweite Probe an, diesmal mit der empfohlenen Nadelstärke 4 mm. Alle folgenden Fotos beziehen sich auf diese zweite Maschenprobe.

Das Stricken mit Lyonesse DK, das aus 3 Strähnen (3-ply) besteht, fällt leicht und ist unkompliziert. Nur sehr selten trennt meine relativ spitze Nadel aus Holz (Symfonie von KnitPro) das Garn. Allerdings wechsle ich trotzdem auf eine Alu-Stricknadel, denn der Anteil Leinen lässt das Garn nicht so gut über das Holz rutschen.

Ab und zu lösen sich nur locker versponnene Flachsfasern vom Garn, wenn es vom Knäuel abgewickelt wird. Sie lassen sich leicht abzupfen und stören das Stricken nicht. Knoten oder andere störende Unebenheiten im Garn sind mir nicht begegnet.

Ich stricke die Probe glatt rechts mit einem Teil Lochmuster und einem einfachen Zopf. Mit jeder Reihe wächst meine Begeisterung, denn das Strickstück weist eine erstaunliche Elastizität und ein definiertes Maschenbild auf, das offene Muster zeigt sich bereits vor dem Spannen akkurat und der Zopf tritt plastisch hervor. Bis hierher verhält sich das Garn eher wie ein reines Wollgarn.

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vor dem Waschen: Maschenprobe Lyonesse DK, 4 mm

Waschen

Beim ersten Eintauchen in laues Wasser entspannen sich alle Maschen umgehend und nehmen sehr bereitwillig das Wasser auf. Dabei lässt auch dieses Garn diesen typischen leisen Seufzer hören, wenn die kleinen Luftblasen sich von der Wolle lösen. Nur ein minimaler Hauch von Grün bleibt im ersten Wasser zurück, von tatsächlicher Abgabe von Farbe lässt sich also kaum sprechen.

Nach kurzem Ausdrücken in einem Handtuch ist nur noch wenig Feuchte in der Probe. Ohne jegliche Spannung sichere ich das flach ausgebreitete Stück mit nur wenigen Stecknadeln und lasse es über Nacht trocknen.

Die fertige Probe

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nach dem Waschen: Maschenprobe Lyonesse DK, 4 mm

Die getrocknete Probe präsentiert sich mit einem derart geordneten Maschenbild, das man fast vermuten könnte, sie wäre gebügelt worden. Alle Unebenheiten im Glattgestrickten sind verschwunden. Ich knautsche das Stück fest in meiner Hand und stelle fest, dass tatsächlich Falten entstehen, wie ich sie von Leinengewebe kenne. Allerdings lassen sich die Falten ganz leicht mit der Hand wieder ausstreichen.

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ein ebenes Maschenbild

Zweifelsohne ist gegenüber der ungewaschenen Probe etwas Elastizität verloren gegangen, aber insbesondere bei horizontalem Zug federt das Gestrickte wieder willig in die Ausgangsform zurück. Das verspricht elastische Bündchen, wie ich sie von Wollpullis kenne – und mein Strickerinnen-Herz macht einen Luftsprung vor Freude.

Besonders beeindruckend verhält sich das Garn beim Lochmuster. Präzise Öffnungen bei den Umschlägen und exakte Neigungen bei den zusammengestrickten Maschen lassen ein Muster entstehen, bei dem nahezu jede Masche identisch ist. Und dafür benötigt es kaum Spannung beim Trocknen.

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Auch der Zopf zeigt Präsenz, und obwohl er nicht mehr ganz so hervortretend ist wie vor dem Waschen, ist er doch immer noch markant.

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Mein Fazit

Ich kann nicht verhehlen, dass ich ein absoluter Fan der Produkte aus dem Hause Blacker Yarns bin. Aber warum sollte ich das auch? Alle Komponenten der Produktion sind durchdacht und folgen den der Umwelt, dem Tier und dem Menschen verpflichteten Werten des Unternehmens. Die Farben sind wunderschön und dem Zeitgeist entsprechend, die Qualität der Garne ist absolut überzeugend. In Lyonesse sind zweifelsohne die besten Eigenschaften von Leinen und Wolle zusammen gekommen. Ich plane, einen Sommerpulli für Frauen zu entwerfen und dafür kann ich mir kein besseres Garn vorstellen als Lyonnesse – es ist die perfekte Wahl für mich.

Ab heute ist das Garn in den Stärken 4-ply und DK direkt bei Blacker Yarns erhältlich, ebenso die Farbkarte. Ich kann Lyonesse wirklich wärmstens für viele schöne Sommerprojekte empfehlen!

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Wieder einmal Köln

Bei der größten europäischen Handarbeitsmesse h+h cologne, die jährlich im März stattfindet, präsentieren sich auf riesigen Ausstellungsflächen die großen industriellen Anbieter von Handstrickgarnen, wie Lana Grossa, Katia, Lang Garn oder Rico. Ganz klar sind die Präsentationen auf die HändlerInnen zugeschnitten, die schon lange diese Marken verkaufen. Hier etwas Neues zu entdecken, ist mir schwer gefallen.

Eine Ausnahme ist allerdings einmal mehr die englische Nobelmarke Rowan, die dem Hause Coats angegliedert ist. Ab Oktober 2015 wird es das Garn Rowan Shine (45% Mohair, 28% Wolle, 20% Seide & 7% Baumwolle) geben, das zusammen mit Swarovski Kristallen zum Einstricken angeboten wird. Zeitgleich werden die Broschüren Swarovski Evening und Swarovski Day mit insgesamt 23 Anleitungen für glamouröse und zarte Kleidungsstücke und Accessoires erscheinen.

Trotz der Mächtigkeit der Marktführer hat sich für mich der Besuch der Messe dennoch gelohnt, denn insbesondere an den Ständen von Blacker Yarns, Rosy Green Wool und baa ram ewe wurde ich glücklich gemacht.

Baa ram ewe aus der nordenglischen Grafschaft Yorkshire bietet schon seit etwa zwei Jahren das wundervolle Garn Titus in dreizehn herrlichen Farben an. Mit ihrem Design Catkin hat Kate Davies wohl einen nicht unbedeutenden Teil geleistet, um dieses Garn aus 50% Wensleydale, 20% Bluefaced Leicester und 30% British Alpaca berühmt zu machen.

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Design: Catkin by Kate Davies, Garn: Titus by baa ram ewe, Foto © Kate Davies Design

Im August wird dann die neueste Kreation Dovestone DK an die Händler geliefert, das zu 100% aus britischer Wolle und im Detail aus 50% Bluefaced Leicester, 25% Wensleydale und 25% Dark Brown Masham besteht. Die Rasse Masham scheint zur Zeit ein wachsendes Interesse der Garnhersteller auf sich zu ziehen, denn auch die US-stämmige The Fibre Co. wird im Herbst mit Cumbria ein Garn mit einem Anteil Masham auf den Markt bringen. Es ist fast beneidenswert, aus welch einer Vielfalt an lokalen Schafrassen die britischen Hersteller schöpfen können. Ihre Produkte überzeugen mich nicht nur mit ihrer Qualität, sondern auch mit der Herzenswärme und der Leidenschaft, die der Zucht der einzelnen Rassen bis hin zum Spinnen und Färben der Garne entgegen gebracht werden.

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Titus, 8 Farbtöne, © 2015 baa ram ewe – Wensleydale image © AnnieCholewa www.knitsofacto.blogspot.com

Und so wundert es nicht, dass auch die beispielhaften Vorreiter für Garne in GOTS-zertifizierter Bioqualität, Rosmary Stegmann und Patrick Gruber, ihr Angebot um zwei sehr interessante Garne erweitert haben. Zu den sehr erfolgreichen Merinogarnen von Rosy Green Wool sind nun manx merino fine und heb merino fine gekommen. Wie die Namen schon verraten, wird Merinowolle mit der Wolle der mittlerweile sehr selten gewordenen Rasse Manx Loaghtan (zu 28%) beziehungsweise mit der Wolle der ebenfalls bedrohten Hebridean Schafe (zu 20%) versponnen. Das Ergebnis sind zwei weiche und hautschmeichelnde Garne, die durch die ausgeprägten Charaktere der seltenen Schafrassen eine starken Ausdruck gewinnen. Die beiden Garne sind Raritäten, denn es wird jeweils nur eine kleine Menge pro Jahr davon produziert. Je gekauftem Strang spendet Rosy Green Wool 0,50 € an den Rare Breeds Survival Trust für den Erhalt bedrohter Schafrassen.

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heb merino fine (links), manx merino fine (rechts), je 8 Farbtöne, Foto © Rosy Green Wool

Von Rosy Green Wool zu Blacker Yarns ist es nicht weit, schließlich werden Rosys Garne in der Natural Fibre Company von Sue Blacker gesponnen. Auch auf der Messe präsentierten sie sich an einem gemeinsamen Stand. Meine Entdeckung bei Blacker Yarns war das neue Garn in Sommerqualität namens Lyonesse. Weiße Corriedale- / Merinowolle von den Falklandinseln wird zu gleichem Teil mit Leinen versponnen. So haben Sue Blacker und ihr MitarbeiterInnen ein herrlich leichtes, weiches und doch kräftiges Garn kreiert, das aufgrund des Anteils an hochwertiger Wolle ein ausgeprägtes Formen-Gedächtnis nach dem Spannen hat. Es eignet sich besonders für Lochmuster und leichte, offene Strukturen. Schon sehr lange bewundere ich, dass bei Blacker Yarns die Garne beim Färben stets ihren ursprünglichen Charakter behalten und niemals totgefärbt werden. Auch die Farben von Lyonesse sind weich und natürlich und überzeugen mit ihrer Tiefe und Lebendigkeit.

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Lyonesse DK, 6 Farbtöne, Foto © Blacker Designs

In den kommenden Tagen wird mich ein Päckchen aus Cornwall, UK mit einer kleinen Lieferung Lyonesse DK in schilfgrün erreichen. Ich kann es kaum erwarten, die erste Maschenprobe zu stricken und meiner Kreativität Anschub zu geben, denn mein nächstes Design soll ein Sommerdesign werden…

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Lyonesse DK, grün, Foto © Blacker Designs

Meinen Besuch in Köln konnte ich bestens abrunden mit einem Besuch des unvergleichlichen Museum Ludwig und seiner aktuellen Sigmar Polke Retrospektive.

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Sigmar Polke, Freundinnen, 1965/1966, Dispersionsfarbe auf Leinwand, 150 × 190 cm, Sammlung Froehlich, Stuttgart, © 2015 The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst Bonn, 2015, Foto: © Froehlich Collection Archive

Das Museum befindet sich gleich neben dem Hauptbahnhof und mag so dazu verführen, ihm schnell noch vor der Abfahrt einen kurzen Besuch abzustatten. Davon rate ich aber nachdrücklich ab, denn bislang hat mich jede Ausstellung dort derart in den Bann geschlagen, dass Zeit keine Rolle mehr spielen wollte. Es kann also leicht passieren, dass man einfach den Zug verpasst. Den besten Dingen im Leben sollten eben immer ausreichend Raum und Zeit zugestanden werden.

Rita in Palma

Ich stricke täglich und doch möchte ich derzeit nichts Neues darüber berichten, außer dass die im Januar geplante Weste im Argyle-Muster längst fertig ist. Eine zweite, kleinere Version davon ist auf den Nadeln und wird hoffentlich bald ein Baby, bzw. seine Eltern erfreuen.

An der Strickanleitung für die Weste arbeite ich, allerdings fehlen vor allem noch die Fotos. Der richtige Tag dafür kann aber, nach diesen heftigen Frühlingsstürmen, nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die einzelnen Schritte, die aus einem mehrfarbig gestrickten kleinen Schlauch eine Weste werden lassen, habe ich festgehalten, werde sie ordnen und kommentieren und als hoffentlich hilfreiches Tutorial zum Thema steeks zur Verfügung stellen.

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An den letzten dunklen Abenden vor der Umstellung auf die Sommerzeit habe ich mich mit TV und Internet entspannt und bin dabei auf die eine oder andere Perle gestoßen.

Herausragend ist der Film „Häkeln für die Unabhängigkeit“, in dem Meret Becker die fruchtbare und vielschichtige Zusammenarbeit einer aus Hamburg stammenden Designerin mit mehreren türkischen Frauen in Berlin zeigt. Die Frauen schaffen mit Nadel, Faden und ihren geschulten und wissenden Händen unvergleichliche Schmuckstücke, filigrane Kragen oder auch Lingerie. Der Film zeigt heiter und sinnlich, was alles möglich wird, wenn Menschen sich mit Offenheit begegnen.

Glücklicherweise ist der Film in voller Länge auf YouTube abrufbar. Das Label der Designerin Ann-Kathrin Carstensen heißt übrigens Rita in Palma. Die handgearbeiteten Accessoires sind nicht nur im Online-Shop erhältlich, sondern auch – und das erzählt der Film mit leichter Ironie – in der luxuriösen Traditionsfestung des Konsums KaDeWe.

 

 

Das Karussell der Wünsche

Wie in so vielen vergangenen Jahren ist der Januar für mich wieder eine sehr geschäftige Zeit. Außerordentlich mehr mir nahestehende Menschen haben dieser Tage Geburtstag – viel mehr, als in all den anderen Monaten des Jahres. Ich selbst übrigens auch.

Und so wünsche ich mir in diesen Wochen öfter als sonst einen Wunschstillstand; so wie James Krüss ihn beschreibt, mit seiner typisch frischen Sprache und belustigt von den menschlichen Fehlern:

Das Karussell der Wünsche,
es dreht sich immerzu;
und zu der Karussellmusik,
da singen ich und du:
„Dreh dich, dreh dich, Karussell,
jeder will sich drehn.
Unsre Wünsche, lass sie schnell
in Erfüllung gehen.“

(…)

Das Karussell der Wünsche,
stets dreht sich’s zur Musik;
doch eines Tages singen wir
vielleicht ein andres Stück:
„Langsam, langsam, Karussell,
halte endlich ein;
denn wir wollen auf der Stell
wunschlos glücklich sein.“

Und auch wenn das Stricken sehr viel mit dem Erfüllen von Wünschen zu tun hat, finde ich doch gerade hier am leichtesten die Langsamkeit, finde ich das wohltuende Tempo des Handgemachten, slow knitting sozusagen. Kein Wunder also, dass besonders im Januar einige wollige Geschenke entstehen, wie beispielsweise dieser Loop-Schal aus Malabrigo Rasta und nach dem Muster von Ashley Higgs.

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Liebe Martina, ich hoffe, der Schal hat dich bereits erreicht, denn mit ihm habe ich die besten immateriellen Wünsche für dich auf die Reise geschickt. Wenn du genau hinschaust kannst du sehen, dass der Schal eine eher warme (oben, links) und eine eher kühle (rechts im Bild) Farbseite hat. Das war keine Absicht von mir, sondern liegt an der individuellen Färbung im Kessel in Uruguay. Hab einen schönen Geburtstag!

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Wenn ich nun ein paar Monate voraus in den Frühling denke, freue ich mich dann doch sehr auf die Feste des kommenden Jahres und auf das Zusammensein mit der Großfamilie. Wie wäre es, zu einem besonderen, fröhlichen Anlass eine Weste mit typischen Elementen wie Taschen, V-Ausschnitt und Knopfleiste zu stricken? Klassisch im Muster und gedeckt in den Farben? Ich beschäftige mich also mit Musterproben und verwende Jamieson’s Spindrift in den warmen Tönen Peat und Cashew. Also, Hahnentritt oder Argyle? Ich habe mich fast entschieden…

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Begleitend lese ich in Alice Starmore’s wundervollem Book of Fair Isle Knitting – das mir zum Geburtstag geschenkt wurde – und komme zu dem Entschluss, dass ich die Weste nach traditioneller Shetland Weise vom Bund bis zur Schulter in der Runde stricken werde.

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Das heißt dann auch, dass ich furchtlos auf meine ersten Erfahrungen mit steeks zusteuern muss. Das wiederum verlangt, dass ich das Gestrickte am Ende wieder zerschneiden werde (wie Kate Davies es mit diesem Foto und in ihrem Tutorial wunderbar anschaulich zeigt). Dann also mutig voran!

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Foto © Kate Davies Designs

 

Und da ich mit dem Book of Fair Isle Knitting auch etwas in die Geschichte Shetlands eintauche, muss ich unbedingt noch erwähnen: Auf den Shetland-Inseln findet heute das jährliche Feuerfestival Up Helly Aa statt – ein unvergleichliches Spektakel, das seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts gefeiert wird. Detailverliebt gekleidete „Wikinger“ ziehen mit tausenden Fackeln durch Lerwick, um schlussendlich ein Wikingerschiff in Brand zu setzen und anschließend die Nacht lang zu tanzen und zu trinken. Auch die Garnproduktion Shetlands nimmt sich aus diesem Anlass eine kurze Auszeit. Ich kann nur hoffen, dass Jamieson & Smith vom offenen Feuer verschont bleibt. Wer mag, kann hier ab 15 Uhr (14 Uhr Ortszeit) in einem Live-Stream das Fest verfolgen.

 

Handgemachte warme Ohren

Die feiertägliche Gemütlichkeit ist schön, aber nicht lange, und es drängt zu einem ausführlichen Spaziergang an der frischen Luft. Umso mehr, da heute tatsächlich der erste Schnee gefallen ist!

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt halten wir uns mit einer Auswahl von handgestrickten Kopfbedeckungen warm. Die Mützensaison ist da!

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Zum Beispiel mit The Vermonter von Abi Gregorio, gestrickt mit dem ungefärbten Garn Corriedale / Hebridean – Chunky von Blacker Yarns.

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Luuk von Annis Jones ist eigentlich eine Mütze für Kinder, kann aber leicht als Version für Erwachsene umgearbeitet werden. Diese wurde aus dem (mittlerweile nicht mehr produzierten) Garn Colourscape Chunky von Rowan gestrickt. Der Farbverlauf nennt sich Camouflage, ist aber in der Großstadt wohl eher nicht zur Tarnung geeignet…

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Eine meiner liebsten Kindermützen ist I Heart Cables von Justyna Lorkowska. Sie bietet alles was eine Kindermütze braucht: eine wärmende, dichte Struktur aus Zopfmuster, Ohrenklappen mit Bändern zum Verschließen und eine fröhliche Bommel. Für diese wurde das reine Merinogarn Rios von Malabrigo im leuchtenden Ravelry Red verwendet.

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Ich finde, dezente Mützen für Männer in Grau, Marineblau oder Braun sind mit Sicherheit sehr zweckdienlich, es darf aber gern auch einmal etwas farbenfroher sein. Für diese Variante des Ski Sweater Slouchy Hat von Whitney W wurde Maxi Wool von Erika Knight in den Farben Storm, Steve, Canvas und House Red verstrickt.

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Unstrittig feminin ist dagegen die Mütze Fresco Simple Slouchy Hat von Susan Mills. Das bezaubernde Garn Kidsilk Haze Trio von Rowan bringt mit seiner Mischung aus Seide und Mohair Glanz und Kuschelfaktor zusammen. Leider stellt Rowan auch für dieses Garn die Produktion ein, wer aber noch Restposten ergattern kann, wird damit sicherlich sehr glücklich.

Ich wünsche allen ein

 

 

Hier ist mein allererstes Design

Ich stelle fest: Offenbar zähle ich zu den Monats-Bloggern. Mir scheint es nicht möglich zu sein, in kürzeren Abständen etwas zu veröffentlichen. Aber ich war fleißig in der Zwischenzeit und habe nun endlich mein erstes Design bei ravelry veröffentlicht! Hier ist Schneegestöber oder in der englischen Variante snow flurry.

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An den Abenden, nach einem Arbeitstag und reichlich Familienleben dazu, an der Strickschrift zu arbeiten, ist mir selten leicht gefallen. Schließlich ist das Stricken in seinem Kern Mathematik, und zwar der eher einfacheren Art. Allerdings raubte diese Erkenntnis meinem geplagten Kopf oft auch noch die letzte Motivation.

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Wie schön ist es doch, eine fertige Anleitung neben sich liegen zu haben und einfach nur dahin zu stricken – ohne viel nachdenken zu müssen… Mein Ziel war es, den Pullunder so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Er wird in der Runde gestrickt, also ohne Seitennähte und – zumindest bis zu den Armausschnitten – nur mit rechten Maschen. Am Ende gibt es kaum noch Fäden zu vernähen.

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Noch kurz ein paar Worte zum Garn, das ich verwendet habe. Natürlich wollte ich wieder mit Wolle von Blacker Yarns stricken und habe mich für Pure Shetland 4-ply entschieden. Die Wolle der Shetland-Schafe gehört zu der feinsten aller britischen Rassen und kann in bis zu sieben natürlichen, also ungefärbten Tönen angeboten werden. Ich habe zwei Naturfarben mit dem herrlichen Türkis kombiniert, denn diese drei Farben erinnern mich an den bedeckten Schneehimmel und die erste zarte Eisdecke auf dem See.

Das Garn kann selbstverständlich in meinem Shop bei Dawanda erworben werden. Bei Abnahme von mindestens 3 Mal 50 g Pure Shetland 4-ply gibt es die Anleitung für Schneegestöber kostenlos dazu.

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Oh, und während ich dies hier tippe, haben bereits zwei Strickerinnen von der anderen Seite des Atlantiks die Anleitung bei ravelry gekauft! Wie aufregend! Dear Shannon, dear Brenda, you are the first two knitters who have downloaded Snow Flurry! Thank you very much and have a lot of fun knitting it!

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Ich wünsche allen einen schönen ersten Advent und friedliche Tage – mit oder ohne Garn auf den Nadeln.

Wolle & Garn mit Charakter – natürlich, nachhaltig und fair